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DIE LINKE im Kreistag testete die neuen Busse der REVG auf Barrierefreiheit

Die Tester vor einem neuen REVG-Bus auf dem Betriebsgelände der REVG in Türnich.

Am gestrigen Mittwoch, den 16.01.2019, hat die Fraktion DIE LINKE. im Kreistag Rhein-Erft die neuen Busse der REVG auf Barrierefreiheit getestet. Neun Personen, darunter drei Rollstuhlfahrer und eine gehbehinderte Person mit Rollator machten sich auf den Weg vom Bergheimer Busbahnhof nach Kerpen-Türnich und zurück. Begleitet wurden sie von Mitgliedern der Fraktion, darunter Stefanos Dulgerakis (sachkundiger Bürger für DIE LINKE im Sozialausschuss), Renate Herrmann (stellvertretende sachkundige Bürgerin im Verkehrsausschuss) sowie dem Fraktionsvorsitzenden Hans Decruppe und unterstützenden Mitgliedern der Selbsthilfegruppe (SHG) Handicap.

Beim Einstieg in den neuen großen Gelenkbus der Linie 960 fiel sofort positiv auf, dass grundsätzlich ausreichend Platz für drei Rollstuhlfahrer vorhanden war. Bei den alten Bussen wäre dagegen nur Platz für einen Rollstuhl gewesen. Eine Fahrt mit mehreren Menschen mit Behinderung wäre von vornherein nicht möglich gewesen.

Gleichwohl wurde der Einstieg langwierig, weil bereits zwei große Kinderwagen im Einstieg standen und ein explizit für Rollstuhlfahrer vorgesehener Platz von einem Fahrgast mit Klapprad belegt war. Dieser wollte jedoch partout zunächst nicht einsehen, dass er doch einen anderen Platz nutzen könne. Hier konnte der Fahrer erst eingreifen, als er mit dem Fahrkartenverkauf abgeschlossen hatte. So verzögerte sich die Abfahrt gleich zu Beginn um acht Minuten.

Da der Fahrplan der Busse „auf Kante genäht“ ist, war dieser Zeitverlust nicht aufzuholen. Fahrgäste, die am Bahnhof Horrem oder in Frechen Anschlüsse hatten, kamen vielfach zu spät. Auch die „Testgruppe“ erreichte beim Umstieg in Frechen nicht den fahrplanmäßig vorgesehenen Anschlussbus.

Hanne Weiland, die als Rollstuhlfahrerin DIE LINKE in der Kommission Inklusion des Kreistages vertritt, verwies deshalb im Gespräch mit dem REVG Geschäftsführer Herrn Walter Reinarz auf die Praxis in Großstädten, dass der Busfahrer zunächst die Rollstuhlfahrer einsteigen lässt und diesen hilft und erst dann die Vordertür öffnet, um bei neu einsteigenden Fahrgästen Fahrkarten zu verkaufen. Sie hofft, dass die REVG diesen Vorschlag aufnimmt und bei weiteren Schulungen der Fahrer berücksichtigt.

Die Fahrt selbst war angenehm, nicht nur wegen des rücksichtsvollen Fahrstils des Fahrers, sondern auch dadurch, dass der Bus nicht ruckartig beschleunigte und abbremste, was nicht nur für Menschen mit Behinderung sehr wichtig ist. Dafür waren die Sicherheitsgurte viel zu eng dimensioniert und schnürte die in den Rollstühlen sitzenden Personen ab. Wieso an ca. zwanzig Zentimeter Gurt gespart wurde, ist nicht zu verstehen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Ältere Menschen, die mit Rollator unterwegs sind, können sich innerhalb des Busses kaum bewegen, da die Gänge viel zu eng sind. Haben sie z.B. keinen Behindertenausweis, der ihnen die kostenlose Fahrt ermöglicht, oder keine Möglichkeit, vor Fahrtantritt eine Karte zu kaufen, können sie von dem für Rollatoren und Rollstühle vorgesehenen Buseinstieg den Fahrkartenverkauf beim Fahrer praktisch nicht erreichen; sie müssen notgedrungen „schwarz“ fahren.

„Es bleibt in Sachen Barrierefreiheit noch viel zu tun,“ resümiert Stefanos Dulgerakis die Testfahrt. „Aber wir sind froh, dass die REVG mit den neuen Bussen einen großen Schritt nach vorn getan hat.“ Und er betont mit etwas Stolz: “Es hat sich gelohnt, dass wir uns als LINKE im Kreistag für Barrierefreiheit im Nahverkehr eingesetzt haben. Die Verbesserungen bei den Bussen gehen nämlich auf unsere Vorschläge zurück, die der Kreistag im Auftrag an die REVG, dem sog. ÖDA, aufgenommen hat.“