Im Frauenhaus Rhein-Erft fehlen ausreichend Plätze und Barrierefreiheit

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Die Fraktion DIE LINKE hat zur Sitzung des Sozialausschusses am 22. November 2023 eine Anfrage zur Situation des Frauenhauses im Kreis gestellt. Anlass und Hintergrund der Anfrage war die Tatsache, dass die Fälle häuslicher Gewalt zuletzt beachtlich gestiegen waren. So gab es im Jahr 2022 einen bundesweiten Höchststand von 157.550 erfassten Opfern häuslicher Gewalt.

Inzwischen liegt die Beantwortung der Anfrage durch die Kreisverwaltung unter Verweis auf eine Stellungnahme des Frauenhauses vor (siehe Kreistags-Drucksache 488/2023 1. Ergänzung). Die Antworten sind unten verlinkt. Danach zeigt sich, dass die Kapazitäten des Frauenhauses mit 10 Plätzen für Frauen und weiteren 14 bis 16 Plätzen für deren Kinder nicht annähernd ausreichen. Das Frauenhaus teilt für das Jahr 2022 mit, dass 58 Frauen und 72 Kinder aufgenommen wurden. Gleichzeitig mussten 56 Frauen wegen fehlender Kapazitäten abgewiesen werden. (Wieviel Kinder von der Abweisung gleichzeitig betroffen waren, konnte nicht mitgeteilt werden, da dies nicht erfasst wird.)

Das Frauenhaus betont in seiner Antwort insbesondere: „Es müsste mehr Wohnangebote für Bewohnerinnen im Frauenhaus zur Verfügung stehen. Auf Grund des desolaten Wohnungsmarktes (keine bezahlbarer Wohnraum) ist die Verweildauer der im Frauenhaus lebenden Frauen mit und ohne Kinder unnötig lang. Hinzu kommt, dass die Mietbemessungsgrenzen im Rhein-Erft-Kreis mittlerweile viel zu niedrig angessetzt sind. Hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben.“

„Diese Position wird von unserer Fraktion ausdücklich geteilt und unterstützt“, erklärt der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Kreistag, Hans Decruppe. „Dass nur 2 Frauen mit Kindern nach dem Frauenhaus in Wohnungen im Rhein-Erft-Kreis vermittelt werden konnten, ist nicht zu aktzeptieren. Die Mietbemessungsgrenzen des Jobcenters und der Sozialämter für die sogenannten Kosten der Unterkunft sind im Kreis in der Tat realitätsfern.“

Aufnahmekapazitäten fehlen – Barrierefreiheit ist nicht gegeben – Ein zweites Frauenhaus ist dringend notwendig

Die vorliegenden Antworten des Frauenhauses dokumentieren zugleich ein weiteres gravierendes Problem: Das bestehende Frauenhaus ist nicht barrierefrei. Für Barrierefreiheit wäre ein kompletter Umbau notwendig. Das heißt, dass derzeit Frauen mit Handicap erst gar nicht aufgenommen werden können.

Für die Fraktion heißt das, dass offenkundig ein zweites Frauenhaus im Kreis dringend erforderlich ist, das zudem den Anforderungen der Barrierefreiheit entsprechen muss. „Wir werden uns dafür einsetzen!“, so Hans Decruppe.